Auch im Schuljahr 2025/26 durften die Schülerinnen und Schüler des bilingualen Geschichtsunterrichts der 9. Jahrgangsstufe an einer Studienfahrt nach Niederbronn-les-Bains teilnehmen. Möglich gemacht wurde dies durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Elternbeirats.
Am Montag, den 13.07.2026, war es so weit: Nach einer langen Busfahrt und einer anschließenden Abenteuerwanderung von der Burgruine Fleckenstein zur Burgruine Löwenstein in den Nordvogesen erreichten die 37 Neuntklässler – gemeinsam mit 16 Schülerinnen und Schülern des Neuen Gymnasiums Nürnberg – den beschaulichen Ort Niederbronn-les-Bains im schönen Elsass.
Nach dem Abendessen und dem Beziehen der Zimmer in der Jugendherberge wurde sogleich zum Aufbruch geblasen. Anlässlich des französischen Nationalfeiertags war im sonst so ruhigen Ort nämlich allerlei geboten: Open-Air-Konzerte, Essen und Getränke auf Kosten des Bürgermeisters sowie überall ausgelassene, lachende Menschenmengen. Diese feierliche Stimmung tröstete schnell darüber hinweg, dass der geplante Fackellauf und das Feuerwerk aufgrund von Brandgefahr ins Wasser fielen. Bald lag man sich in den Armen, hüpfte und tanzte zu den Melodien mal deutscher, mal französischer Musik. Angesichts dieser großartigen Atmosphäre waren auch die Lehrkräfte schnell überzeugt: Die zuvor vereinbarte Bettruhe ließ sich an diesem Abend einfach nicht einhalten.
Am folgenden Tag galt es, mehr über den direkt an die Jugendherberge angrenzenden Soldatenfriedhof aus dem Zweiten Weltkrieg zu erfahren. „Dürfen Kriegsverbrecher neben ihren Opfern begraben sein?“, „Welche Geschichten stecken hinter den tausenden Namen und Daten?“, „Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um?“ – diesen und vielen weiteren Fragen gingen wir im Laufe des Tages in Führungen und Workshops auf den Grund. Im Anschluss an das Programm in der Jugendbegegnungsstätte erkundete die Gruppe den Ort Niederbronn bei einer Foto-Rallye zum Thema „Grenzen“. Am Abend wartete direkt das nächste Highlight: Das WM-Halbfinale Frankreich gegen Spanien stand auf dem Programm. Bereichert durch eine Vielzahl neuer Eindrücke und allenfalls durch das Fußballergebnis enttäuscht, fiel man an diesem Abend in die Betten.
Der sich zwischenzeitlich angestaute Schlafmangel konnte am nächsten Morgen kollektiv auf der Busfahrt nach Verdun bekämpft werden. Das dortige Schlachtfeld von 1916 wurde im Laufe der Zeit zu einer riesigen, offenen Gedächtnislandschaft entwickelt. Dort angekommen, begaben wir uns in die Obhut unseres Guides Pierre, der es meisterhaft verstand, vergangene Zeiten und Geschichten wieder aufleben zu lassen. Wir erfuhren von Dörfern, die weder Gebäude noch Einwohner, aber dennoch einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin haben. Wir lauschten den Gedichten von Nachfahren und Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs und besichtigten sowohl die von unzähligen Explosionen gezeichnete Landschaft als auch die hart umkämpften Festungsanlagen. Spätestens im Gebeinhaus von Douaumont erkannten wir angesichts der erschütternden Zahl von 700.000 Opfern in rund 300 Tagen Schlacht den wahren Wert von Frieden in einem geeinten Europa – kein Unterricht der Welt kann diese tiefen Eindrücke ersetzen.
Zurück in der Jugendherberge folgte ein Abend zur freien Verfügung, den einige Schülerinnen und Schüler nutzten, um das zweite WM-Halbfinale (England gegen Argentinien) zu verfolgen.
Am Donnerstag führte uns unsere Reise schließlich nach Straßburg, wo wir uns zunächst auf die Spuren der deutsch-französischen Geschichte begaben. Im historischen Stadtzentrum lernten die Jugendlichen bei einer Stadtrallye zahlreiche Sehenswürdigkeiten kennen – vom imposanten Münster über das malerische Viertel La Petite France bis hin zur berühmten Maison Kammerzell. Dabei wurde einerseits deutlich, wie sehr Straßburg über Jahrhunderte hinweg von deutscher und französischer Kultur geprägt wurde. Andererseits zeigte sich aber auch, wie sehr man sich auf elsässische Spezialitäten wie Kougelhopf – oder auch, zugegebenermaßen weniger elsässisch, auf McDonald’s und die örtliche Shoppingmeile – freute. Gekrönt wurde der Städteaufenthalt von einem gemeinsamen Flammkuchenessen. Gegen 20 Uhr erreichten wir erschöpft, aber glücklich ein letztes Mal die Jugendherberge. Wie schon an den vorherigen Abenden profitierte die Gruppe auch diesmal wieder intensiv vom Volley- und Basketballplatz direkt an der Unterkunft.
Und obwohl das ein oder andere Licht am letzten Abend wohl auch bei geschlossener Tür nicht sofort gelöscht wurde, saßen am nächsten Morgen doch alle pünktlich und mit vollständigem Gepäck im Bus.
Dies war meine erste mehrtägige Fahrt im Rahmen des bilingualen Unterrichts, und ich freue mich schon jetzt auf die nächste. Danke, liebe Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe, dass ihr mir und uns die Arbeit so einfach gemacht und zugleich so erfüllend gestaltet habt! Ich hoffe sehr, dass dies nicht unsere letzte gemeinsame Fahrt war.
Vive la France – Vive l’amitié franco-allemande!
Benedikt Hacker für die 9. Jahrgangsstufe Geschichte bilingual













