Wer mit dem Gedanken spielt, in der elften Klasse ins Ausland zu gehen oder gleich nach der zehnten Klasse in die Q12 zu springen, ist in der Individuellen Lernzeitverkürzung (ILV) genau richtig. Das Angebot richtet sich an leistungsbereite, begabte und interessierte Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufe – mit dem Ziel, die Schulzeit bewusst zu verkürzen. Darauf bereiten sie sich in zusätzlichen Seminarsitzungen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik in der neunten Klasse, ergänzt durch Seminarsitzungen in Geschichte und einem abschließenden Repetitorium in der zehnten Klasse, vor.
Zum Abschluss des aktuellen ILV-Durchgangs stand noch etwas Besonderes auf dem Programm: eine Exkursion ins document Kepler in der Regensburger Altstadt.
Die Ausstellung bietet einen spannenden Einblick in das Leben und Wirken von Johannes Kepler, der als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler der Frühen Neuzeit gilt. Kepler war zwar nie Bürger Regensburgs, jedoch verstarb er dort – im Haus eines Freundes, in einer Patrizierburg, in der sich heute das Museum befindet.
Neben der wissenschaftlichen Erforschung des Weltbildes durch Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Tycho Brahe und Kepler selbst stehen natürlich auch seine drei berühmten Keplerschen Gesetze im Mittelpunkt der Ausstellung.
Man erfährt jedoch auch Privates über Johannes Kepler. Zeit seines Lebens lebte er in finanzieller Unsicherheit, da er zwar kaiserlicher Mathematiker und Hofastronom war, die Kaiser sich jedoch als sehr unzuverlässige Zahler entpuppten. Hätte er tatsächlich seinen monatlichen Lohn von 42 Gulden erhalten, hätte er sich dafür beispielsweise 78,75 kg Butter oder 175 Liter Bier leisten können.
Neben seiner wirtschaftlichen Lage macht auch die familiäre Seite seines Lebens betroffen. Als Vater teilte er das Schicksal von vielen Eltern im 16. und 17. Jahrhundert, deren Säuglinge und Kinder sterben mussten. Von seinen zwölf Kindern erlebten nur vier das Erwachsenenalter.
Vielleicht half ihm sein starker Glaube als Protestant über diese Schicksalsschläge hinweg. Eigentlich wollte er nämlich sogar Pfarrer werden. Doch wie löste er den Widerspruch zwischen seiner Gläubigkeit und der Wissenschaft auf? Sehr elegant, könnte man sagen. Wissenschaftler sah er als Priester an, die den Menschen helfen, die Schöpfung Gottes zu erkennen und zu verstehen.
Mit der Exkursion endete für die Teilnehmenden an der ILV ein besonderes schulisches Kapitel. Für sie beginnt nun ein neuer Abschnitt, für den wir viel Erfolg wünschen.
Sabine Eidenschink, Lucia Schmid, Stephan Christoph